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Svenja Schirk von Freakin‘ Fine Weddings ist Hochzeitsplanerin und plaudert für uns aus dem Nähkästchen und gibt wertvolle Tipps zu den Kosten einer Hochzeit.

Eine Frage, viele Antworten: Was kostet eine Hochzeit?

Sobald das Wort „Hochzeit“ fällt, geraten regelmäßig Frauen ins Schwärmen und Männer ins Rechnen. Gerade der Anfang der Planung fällt vielen Brautpaaren schwer. Woher weiß man, wie viel Budget eingeplant werden muss? Was kostet eine Hochzeit? Diese Frage ist wohl eine der am häufigsten gestellten in der Hochzeitsbranche. Die Krux daran: man kann sie nicht beantworten! Zu viele Parameter beeinflussen, welche Kosten durch Location, Fotograf, Stylist & Co. entstehen. Oft wird von einer Zahl von 10.000,- EUR gesprochen, die man so jedoch nicht stehen lassen kann. Fakt ist: eine Hochzeit ist definitiv auch für weniger zu stemmen. Es kommt immer auf die eigenen Wünsche, Bedürfnisse und Vorstellungen an.

Ich möchte Euch nun aber einige wertvolle Tipps geben, um Euer Budget bestmöglich zu verteilen und das Optimum herauszuholen.

Dafür lohnt es sich, mehr Hochzeitsbudget einzuplanen:


Fotograf/Videograf: Was nach der Hochzeit bleibt, sind die Erinnerungen – und Fotos bzw. Videos. Setzt deshalb auf einen Profi, der Euch perfekt in Szene setzt und Dekoration, Stimmung, Emotionen & Co. einfängt. Ihr werdet sehen, wie gerne man sich alles auch einige Jahre später noch ansieht.

Eheringe: Diese trägt man täglich und sind auch äußerlich das Symbol der Verbundenheit. Sie sollten deshalb zu 100 % zu Euch passen, ihr dürft nicht allergisch darauf reagieren und sie müssen „bequem“ sein. Ja, tatsächlich sollte man darauf achten, dass sie alltagstauglich sind und Euch hoffentlich bis in alle Ewigkeit gefallen.
Qualität zahlt sich aus und hat Ihren Preis.

Achtung, Sparpotenzial!
Anzahl der Gäste: Aber ja, eine Hochzeit mit 200 Leuten ist sicherlich ein Highlight. Aber muss das sein? Sollen wirklich alle Menschen, die man kennt, auf der Feier zu finden sein? So hart es klingt, jeder Gast kostet Euch Geld. Ladet deshalb nur ein, wen Ihr auch wirklich dabei haben möchtet.

Tagesplanung: Das Budget ist knapp und es würde z.B. die Qualität des Essens darunter leiden? Das sollte nicht passieren! Wie wäre es, wenn Ihr stattdessen eine (freie) Trauung am späten Nachmittag plant und so nur das Abendessen ausrichtet? Das spart Geld und der Tag ist etwas komprimierter.

Dekoration leihen: Immer mehr Dienstleister bieten Dekorationen im Verleih an. Ob hübsche Platzsets, Vasen, Baumscheiben, Ringkissen oder vieles mehr – leihen statt kaufen ist die Devise.

Nicht darauf hereinfallen:
Eine Playlist tut es doch auch? Seid Ihr Euch da ganz sicher? Ein DJ bzw. eine Band kann auf die Stimmung der Gäste reagieren und trägt somit entscheidend zum Partyverlauf bei.

Ein Dienstleister bietet Euch eine Leistung zum Dumpingpreis an? Hier solltet Ihr stutzig werden, denn Qualität hat immer Ihren Preis. Immer!

Ihr möchtet dennoch eine Antwort auf die Frage, was eine Hochzeit kostet? Nur ganz grob? Ok, ich versuche es! Gehen wir von einer Hochzeit aus, die es später z.B. in dieses Magazin schafft. Weil sie tolle, detailreiche Dekorationen, schöne Papeterie und liebevolle Kleinigkeiten beinhaltet und folgende Punkte enthält:


•    80 Personen
•    Buffet oder max. 3-Gang-Menü
•    Getränkepauschale
•    Alle Dienstleister sind Profis
•    Fotograf
•    DJ
•    Freier Redner
•    Torte passend zum Konzept
•    Papeterie
•    Dekoration der Tische & des Trauortes
•    Gastgeschenke
•    Stylist
•    Brautkleid, Anzug & Accessoires
•    Floristik

Und jetzt kommt die ehrliche Zahl – liebe Männer, bitte setzt Euch hin! Das bekommt Ihr meist ab 25.000,- EUR aufwärts. Eine Obergrenze gibt es nicht – bei Buchung eines Hochzeitsplaners, weiterer Dienstleister oder etablierten Locations mit entsprechend gutem Ruf wird die Summe steigen. Es ist immer ein Unterschied, wo man feiert – ob in einer Großstadt, auf dem Lande, in einem gutbürgerlichen Restaurant oder einer Scheune. Und auch hier, liebe Brautpaare, möchte ich Euch einen Tipp mit auf den Weg geben.
Oftmals sorgt nämlich ein Denkfehler für lange Gesichter. Eine lockere Gartenhochzeit ist leider nicht automatisch günstig. Ich liste einfach einmal einige Dinge auf, die man dafür benötigt:


•    Zelt mit Boden (!) falls es regnet
•    Tische & Stühle
•    Servietten
•    Geschirr & Besteck
•    Catering
•    Servicepersonal
•    Toiletten
•    Strom
•    Heizmöglichkeit
•    Decken
•    Schirme und vieles mehr.

In einem Restaurant oder in einer regulären Hochzeitslocation würden viele dieser zusätzlichen Kosten nicht anfallen. Deshalb: Augen auf bei der Wahl des Ortes und unbedingt gut kalkulieren.

Hochzeit unter 5.000,- EUR? Möglich, wenn:


•    Ihr wenige, ausgesuchte Gäste einladet
•    Ihr einen günstigen Raum mietet
•    Das Essen selbst gemacht wird oder es einfachere Küche vom Catering gibt
•    Wenig Dekoration gewünscht wird
•    Ihr unter der Woche oder außerhalb der Sommermonate heiratet
•    Keine professionellen Dienstleister gebucht werden
•    Gut, simpel und bodenständig Euer Ding ist

Es zeigt sich also wieder einmal: Was eine Hochzeit kostet, kann nicht so einfach beantwortet werden. Wünsche und Vorstellungen müssen zum Budget passen oder angepasst werden – vielleicht möchte man doch noch ein Jahr sparen, um sich den einen oder anderen Wunsch zu erfüllen? Verlockende Kreditangebote kann ich nicht empfehlen – wer startet schon gerne mit Schulden in das Eheleben?

Wie verteilt man sein Hochzeitsbudget aber nun sinnvoll?

Welche Dinge müssen gebucht werden und auf was kann man ohne schlechtes Gewissen verzichten? Mit diesen Tipps gelingt Euch die Aufstellung bestimmt:

1.    Legt eine Prioritätenliste an! Alles, was unbedingt gebucht werden muss – quasi die Basis ist – bekommt eine 1 z.B. Location, Catering, Outfits, Ringe usw.
Es folgen Dinge, die Ihr gerne hättet mit einer 2 z.B. Foto-/Videograf, DJ usw. Danach verseht Ihr alles mit einer 3 das toll aber nicht unbedingt notwendig ist, z.B. ein Feuerwerk, Live-Band usw. Jede Braut und jeder Bräutigam hat ein eigenes Empfinden dafür, wie wichtig ein Punkt ist. Deshalb kann es hier zu Diskussionen kommen. Versucht ruhig und sachlich zu bleiben, das Gespräch darüber auch evtl. zu vertagen. Stück für Stück nähert Ihr Euch dann sicherlich Eurer ganz persönlichen Prioritätenliste. Gebucht wird dann von 1 bis 3 – zuerst die Dinge, die die Basis bilden. Solange Budget vorhanden ist, kann weiter ausgesucht werden. Am Ende bleiben die Punkte, die mit einer 3 versehen wurden.

2.    Wie schon oben beschrieben, legt jeder Mensch die Wichtigkeit einer Sache selbst fest. Es ist deshalb immer heikel, von Dingen abzuraten oder etwas als unverzichtbar zu deklarieren. Trotzdem möchte ich Euch mit auf den Weg geben, worauf viele Brautpaare verzichten, wenn das Budget es nicht mehr hergibt – als kleine Übersicht:


•    Gastgeschenke
•    Live-Musik (gebucht wird dann ein DJ)
•    Dekoration beim Standesamt
•    Rahmenprogramm wie Feuerwerk, Magier etc.
•    Neue Outfits (statt dessen Secondhand)
•    Viele Gäste, z.B. keine Arbeitskollegen etc.
•    Details wie z.B. Candybar, aufwendige Tischdekoration, Fächer für die Gäste usw.
•    Cocktails, Schnaps etc. oder andere Punkte im eigenen Ermessen.

Am Ende bleibt nur ein Fazit: Jeder kann nach seiner Fasson heiraten! Egal ob kostengünstig mit einer Handvoll erlesener Gäste oder pompös in großer Gesellschaft auf einem Schloss.

Und das ist auch gut so, finde ich.
Eure Svenja
Hochzeitsplanerin
Freakin' Fine Weddings
Bund deutscher Hochzeitsplaner


Der Text von Svenja schirk ist erschienen im Braut & Bräutigam Magazin 2-18.
Bilder: Honeymoon Pictures und Jan Dommel.